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Gesammelte Gedanken

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Das Medienbeben

Posted by on 8. Mai 2009 in Arbeit, Persönlich, photo | 3 Kommentare

aquila-house
Alle Bilder © David Runer

Der kleine Matteo ist gerade mal acht Jahre alt und sehr tapfer. Am 6. April wachte er nachts um halb vier auf, die Erde bebte. Dann begann das Haus, in dem er wohnte, einzustürzen. Während der Flucht ins Freie wurde sein Vater von einem umfallenden Regal getroffen und konnte sich nur durch Glück retten. Unter den Trümmern seines Hauses liegt alles was er hatte, begraben.

Nun sitzt er hier auf einer Parkbank in Pescara und erzählt uns mit leicht zitternder Stimme seine Geschichte. Wie er zusammen mit seinem an der Schulter verletztem Vater und seiner Mutter hier in einem Hotel wohnt und nicht weiß wie es weitergehen soll. Auch, dass er sein Lieblingsspielzeug und sein Zuhause vermisst. Es ist eine herzzerreißende Geschichte – doch alles was von Matteos Schicksal in dem 80-Sekunden-Bericht im Fernsehen zu sehen sein wird, ist ein kurzer trauriger Blick und ein hastiges „È tutto difficile“.

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Am Tag zuvor, Karfreitag, drängen wir uns zusammen mit hundert anderen Photographen, Kameraleuten und Korrespondenten vor der Scuola della Guardia di Finanza in L’Aquila. Es geht um die besten Plätze beim Massenbegräbnis, bei dem über 200 Opfern des Bebens der Stärke 6,3 nach Richter die letzte Ehre erwiesen werden soll. Doch mit der Ankunft der Presse beginnt ein pietätloses Spektakel. Die Frau mit ihrem Kind auf dem Arm etwa, die nun zum dritten Mal in Richtung der Photographen eine Blume auf ein Kindergrab legt, wird von den Schüssen der Kameras geradezu durchlöchert. Noch sind kaum weinende Angehörige da, aber die Ansa will gefüttert sein, und so geht das Bild sogleich um die Welt.

Die Al-Jazeera Korrespondentin neben uns probt in bestem Englisch einen herzzerreißenden Aufsager über Tränen, die erst noch trocknen müssen. Um dann den Kameramann im derben Römer-Dialekt zu fragen, ob diese Fassung nun schnulzig genug sei. Später, wenn Ministerpräsident Berlusconi eintreffen wird, geht die Show erst richtig los. Immer wenn die Photographen sich zu langweilen drohen, wird Silvio hübsch die Hände falten oder jemand umarmen. Es klickt ununterbrochen, begeistert sagt der Photograph über eine weinende Frau, die sich dem Ministerpräsidenten schluchzend um den Hals wirft, nur „Ma questa è pagata, bellissimo“.

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Über die Bevölkerung der Provinz L’Aquila ist gleich nach dem Erdbeben auch ein Mediengewitter hereingebrochen. Es regnet Bilder und Schicksale in diesen Tagen vor dem Osterfest. Mitgefühl und Ohnmacht, Kritik und Hilfe strömen in die mittelitalienische Region – und die Menschen, die oft vor dem persönlichen Nichts stehen, sind heillos überfordert.

So kommt es zu den absurdesten Episoden. Eine junge Frau drängt sich uns als Interviewpartnerin auf, stark geschminkt stellt sie sich vor und will direkt in die Kamera sprechen. Doch es kommt zum Missverständnis: Anders als das italienische Fernsehen berichtet unser ausländischer Sender über Menschen auch in ihrem Umfeld. Also etwa auch, wenn sie in die Mensa gehen, um zu essen. Dafür muss die Kamera aber aufgebaut und bereit gemacht werden. Das ist dann alles plötzlich zu viel für junge Frau: „Ich hab ja schon viele Interviews gegeben, aber sowas hab ich noch nie erlebt, das ist ja alles gestellt. Ich meine, ich habe alles verloren und dann so was.“ Die Stimmung kippt, „Sciacalli“, das italienische Wort für Schakale liegt nun in der Luft.

Ein andermal nähert sich mitten im Interview ein Mann und stellt Fragen. Er stellt sich als Kollege einer Tageszeitung vor und beginnt, die Korrespondentin zu interviewen, die gerade eine Familie interviewt. Dann fragt er die Korrespondentin, ob es einen Unterschied beim Mitgefühl aus dem deutschsprachigen Ausland aufgrund der deutschen Herkunft des Papstes gebe – und erntet ungläubige Blicke.

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Am Ostersonntag hält Erzbischof Giuseppe Molinari gleich zwei Messen in l’Aquila und bietet damit gleich zwei Gelegenheiten, dramatische Bilder einzufangen. Eine wird mitten in der Stadt im Campo delle Armi, inmitten einer der größten nun errichteten Zeltstädte zelebriert. Die andere am Ort des Begräbnisses, der Schule der Finanzpolizei, bei der auch die Politprominenz anwesend sein wird. Hier im Camp füllt sich die Zeltkirche sehr langsam mit all jenen Menschen, die nicht zur Promi-Messe können oder wollen: alte Menschen, Familien, Kinder.

Zwar eignen sich weinende Frauen gut für die Abendnachrichten, dafür entsteht aber ein seltsam einseitiges Bild der tendopoli, der Zeltstadt, ohne Jugendliche und kaum Männer. Dabei wohnen sie jetzt alle hier, in den Behausungen mit blauen Stoffwänden ohne Strom, ohne Licht, ohne Wärme. Und doch hat bereits eine gewisse Routine Einzug gehalten. Zwischen den Übertragungswagen von RAI und Sky, neben Containern des Ziwilschutzes steht ein kleiner mobiler Schalter der Post samt Bancomat. Manche haben ihre Haustiere retten können, ein Kanarienvogel zwitschert leise aus einem der Zelte. Wenige Schritte weiter hat jemand bereits sein neues zuhause dekoriert.

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Doch mit dem Ende der Osterfeierlichkeiten und der scheinbaren Normalisierung des Alltags schwindet auch schon das mediale Interesse an dem Beben und seinen Folgen. Die dramatischsten Bilder sind verbraucht, der Papst wir auch nicht so schnell kommen – so rasch sich das Mediengewitter zusammengebraut hat, verzieht es sich auch wieder in andere Teile der Welt.

Vor fast genau einem Monat erzählte der kleine Matteo seine Geschichte, für die wir nur wenige Sekunden Zeit hatten. Dabei wäre noch zu erzählen, dass er gar nicht zu der Familie gehörte, mit der wir ihn im Bericht zeigten. Oder dass die Wunde an seinem Bein nicht von dem Erdbeben rührte, das er unversehrt überstand, sondern von dem Auto, das ihn vor dem Hotel angefahren hat.

Doch für all die kleinen Geschichten bleibt keine Zeit – und fehlt auch das Interesse. Schweinegrippe, Berlusconis Ehekrach, oder die Schützen in Bruneck: Schnell verstaubt unser Interesse an dem Beben und flüchtet weiter zum nächsten Ereignis. Um jedes Mal wieder gehört zu werden, bereitet die Medienwelt das Geschehen formal und teils auch inhaltlich appetitlich auf und verkündet es per Megaphon, sodass es schwierig wird, leise Stimmen wie die von Matteo zu hören. Dabei würde es sich oft lohnen, zuzuhören.

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Köter, Kalender und Tapeten

Posted by on 15. Jul 2008 in Persönlich | 7 Kommentare

Bin davor gerade von einem kleinen Köter gebissen worden. Wo gibt’s denn so was? Davor hat der Maler, der die neue Wohnung auspinseln soll, den Schlüsselübergabetermin vergessen. Wieder davor hatte ich beim Verschlie0en der Augen die Tapeten vor mir, deren Existenz ich am Wochenende mit Freunden vernichtet habe.

Ich freu mich schon auf den Ikea-Besuch…

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Plastik-Rock

Posted by on 1. Jun 2008 in haha, Persönlich | 4 Kommentare

frets

Guitar Hero sollte mittlerweile (in der dritten Ausgabe) eigentlich ein recht weit verbreiteter Begriff sein. Ich meine, das Spiel gibt’s sogar für Mac OS X. Blöderweise, wie so oft auf dieser Plattform, hat die Sache hier aber einen Haken. Das Spiel läuft nur auf ganz wenigen Kisten mit hochgezüchteten Grafikkarten – aber nicht auf dem eigenen.
Also nichts wie rein ins Netz und die Open Source Alternative Frets on Fire geladen und los geht’s. Was ein Spaß.

(Ich hab bei Daft Punk – Aerodynamic über 70.000 Punkte! ahem.)

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Trip

Posted by on 1. Jun 2008 in Arbeit, Persönlich |

Bon voyage

Auf Geschäftsreise in Deutschland. Selten so guten Service im Hotel gehabt und trotzdem nicht gut geschlafen. Neidisch auf deutsche Verkaufsstrukturen gewesen, die funktionieren nämlich. Geniales Gespräch mit dem Chef der IT-Abteilung geführt (SAP für den Mittelstand, damit der Chef sich beim Golfen über die hohen Kosten beschweren kann). Einiges an Bildern geknipst und den Blitz verflucht. Von der Außenwelt abgeschnitten gewesen, 60 Minuten Internetz kosten bei tmoble-Wlan satte 8 Euro. Wahnsinn.

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Flieg, Mordechai

Posted by on 29. Mai 2008 in Persönlich | 2 Kommentare

Wie gerät denn bitte ein Vogel in das dritte Untergeschoss einer Tiefgarage? Ich meine, in eine Garage, schön und gut, aber gleich so weit unter die Erde, muss das sein? Noch dazu fliegt das Tier dann auch noch (passive, agressive bitch!) auf mich zu. Nest ist keines in der Nähe, Jungtiere auch nicht. Nur etwas verwirrt wirkt der/die Kleine. Also nichts wie ran an das Tier, vorsichtig aufgehoben, nach oben transportiert – und fliegen gelassen. Danach 10 Sekunden lang wie ein Pfadfinder gefühlt.

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Familie 2.0

Posted by on 23. Mai 2008 in Persönlich, Web |

Vor kurzem hab ich jede Menge Familienfotos auf Flickr gestellt und dann zuhause via Skype (mit Video) bei der Anmeldung geholfen. Noch schnell alle freigeschalten und Bilder angeguckt. Anschließend Gruppenchat (wieder Skype) mit der ganzen Familie, verstreut über Berlin – Bozen – Wien – Girlan.

Dass ich das noch erleben darf.

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