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Gesammelte Gedanken

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Dialekt-Selbstversuch

Posted by on 20. Jul 2010 in bla | 1 Kommentar

Ein sinnfreier Text, in dem Südtiroler Wörter, die nicht offensichtlich aus dem Deutschen oder Italienischen ableitbar sind, in einem Text zusammengefasst werden. Anregungen und Fortsetzungsvorschläge erwünscht. Oschpele ist teils hilfreich, aber noch längst nicht vollständig.

Die Gitsch hots geneatig kop. Weil fährtn in Langes hot si in karpf umikep und sel hot der jetz drfrog. Wie kim i do lei ausser, sol i net long tanteln, nen herpluin, ohne zu soandeln ihm oane floschn – oder decht lieber ofetzn?  Von überlegn hot sie scheps wea krieg. Obr letzer war an Stietz o, denkt sie sich und nimp sich no a Papele. Inagalling follts ihr ein: i nim a huder, bind sie umen grind und tua als war i toret. Werd der Tscheggl schun net merkn.

Do follt in den Laggl nix besseres ein, als …

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Die Inder sind da

Posted by on 14. Jul 2010 in Arbeit | 1 Kommentar

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Foto: Devaraja Fruit and Vegetable Market (Bryce Edwards)

Eine Delegation aus Indien ist derzeit zu Besuch in Südtirol. Im Bundesstaat Himachal Pradesh werden Äpfel angebaut, deutlich mehr noch als hierzulande. Die Landwirtschaft rund um Golden, Stark und Red Delicious ist im Norden Indiens aber nicht so industrialisiert wie in Europa, es gibt also noch viel Potential für jene Südtiroler Unternehmen, die mit Leistungen und Produkten im Obstbau ihr Geld verdienen. Die Gäste üben sich in höflicher Zurückhaltung, die Gastgeber geben sich gewohnt provinziell.

Das Englisch holpert auf beiden Seiten, die fünf Unternehmen die sich den Indern vorstellen sind nicht wirklich aufeinander eingespielt und der Busfahrer mit der Delegation fährt am Treffpunkt des Ortstermins in den Obstwiesen bei Terlan kurzerhand vorbei.

Endlich dort angekommen schwitzen selbst die Delegierten in der Nachmittagssonne. Toll, so ein Hagelnetz. Oh, ein Werbe-Basecap, danke. Wieder rein in den Bus und weiter geht’s.

Im klimatisierten Firmengebäude lässt die Delegation eine Powerpoint-Präsentation zum Thema Hagel über sich ergehen, dabei drängen sich zwei Unternehmer vor um etwas klarzustellen. Das mit Indien, das ist eigentlich ihnen zu verdanken. Die EOS wurde eh nur eingeschaltet, damit die dann einen Teil der Kosten übernimmt. Also ja nicht zu viel über die anderen Firmen berichten. Ehre wem Ehre gebührt. Umsatz in Indien wird eh noch keiner gemacht. Nette Leute, aber schwierig, Geld zu machen.

Die Bäume in Indien sind alt, nicht so klein und so auf qualitativen Ertrag getrimmt wie in Südtirol. Sie stehen kreuz und quer in der Landschaft, nicht in klinischen Spalier-Reihen. Und der Apfel wird weder monatelang gelagert noch exportiert. Der Absatzmarkt für den indischen Apfel ist Indien selbst und er existiert nur zur Erntezeit.

Für heute ist Schluss für Narinder Bragta, den Minister für Gartenbau aus der indischen Apfelregion. Er und seine Delegation wollen unbedingt Südtiroler Technologie nach Hause mitnehmen. In wenigen Jahren schon könnte es so weit sein. Bis dahin wird die Delegation erst Mal zum Abendessen eingeladen. Bei „Ghandi“ in Bozen wird gespeist, indische Küche, versteht sich.

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Das Medienbeben

Posted by on 8. Mai 2009 in Arbeit, Persönlich, photo | 3 Kommentare

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Alle Bilder © David Runer

Der kleine Matteo ist gerade mal acht Jahre alt und sehr tapfer. Am 6. April wachte er nachts um halb vier auf, die Erde bebte. Dann begann das Haus, in dem er wohnte, einzustürzen. Während der Flucht ins Freie wurde sein Vater von einem umfallenden Regal getroffen und konnte sich nur durch Glück retten. Unter den Trümmern seines Hauses liegt alles was er hatte, begraben.

Nun sitzt er hier auf einer Parkbank in Pescara und erzählt uns mit leicht zitternder Stimme seine Geschichte. Wie er zusammen mit seinem an der Schulter verletztem Vater und seiner Mutter hier in einem Hotel wohnt und nicht weiß wie es weitergehen soll. Auch, dass er sein Lieblingsspielzeug und sein Zuhause vermisst. Es ist eine herzzerreißende Geschichte – doch alles was von Matteos Schicksal in dem 80-Sekunden-Bericht im Fernsehen zu sehen sein wird, ist ein kurzer trauriger Blick und ein hastiges „È tutto difficile“.

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Am Tag zuvor, Karfreitag, drängen wir uns zusammen mit hundert anderen Photographen, Kameraleuten und Korrespondenten vor der Scuola della Guardia di Finanza in L’Aquila. Es geht um die besten Plätze beim Massenbegräbnis, bei dem über 200 Opfern des Bebens der Stärke 6,3 nach Richter die letzte Ehre erwiesen werden soll. Doch mit der Ankunft der Presse beginnt ein pietätloses Spektakel. Die Frau mit ihrem Kind auf dem Arm etwa, die nun zum dritten Mal in Richtung der Photographen eine Blume auf ein Kindergrab legt, wird von den Schüssen der Kameras geradezu durchlöchert. Noch sind kaum weinende Angehörige da, aber die Ansa will gefüttert sein, und so geht das Bild sogleich um die Welt.

Die Al-Jazeera Korrespondentin neben uns probt in bestem Englisch einen herzzerreißenden Aufsager über Tränen, die erst noch trocknen müssen. Um dann den Kameramann im derben Römer-Dialekt zu fragen, ob diese Fassung nun schnulzig genug sei. Später, wenn Ministerpräsident Berlusconi eintreffen wird, geht die Show erst richtig los. Immer wenn die Photographen sich zu langweilen drohen, wird Silvio hübsch die Hände falten oder jemand umarmen. Es klickt ununterbrochen, begeistert sagt der Photograph über eine weinende Frau, die sich dem Ministerpräsidenten schluchzend um den Hals wirft, nur „Ma questa è pagata, bellissimo“.

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Über die Bevölkerung der Provinz L’Aquila ist gleich nach dem Erdbeben auch ein Mediengewitter hereingebrochen. Es regnet Bilder und Schicksale in diesen Tagen vor dem Osterfest. Mitgefühl und Ohnmacht, Kritik und Hilfe strömen in die mittelitalienische Region – und die Menschen, die oft vor dem persönlichen Nichts stehen, sind heillos überfordert.

So kommt es zu den absurdesten Episoden. Eine junge Frau drängt sich uns als Interviewpartnerin auf, stark geschminkt stellt sie sich vor und will direkt in die Kamera sprechen. Doch es kommt zum Missverständnis: Anders als das italienische Fernsehen berichtet unser ausländischer Sender über Menschen auch in ihrem Umfeld. Also etwa auch, wenn sie in die Mensa gehen, um zu essen. Dafür muss die Kamera aber aufgebaut und bereit gemacht werden. Das ist dann alles plötzlich zu viel für junge Frau: „Ich hab ja schon viele Interviews gegeben, aber sowas hab ich noch nie erlebt, das ist ja alles gestellt. Ich meine, ich habe alles verloren und dann so was.“ Die Stimmung kippt, „Sciacalli“, das italienische Wort für Schakale liegt nun in der Luft.

Ein andermal nähert sich mitten im Interview ein Mann und stellt Fragen. Er stellt sich als Kollege einer Tageszeitung vor und beginnt, die Korrespondentin zu interviewen, die gerade eine Familie interviewt. Dann fragt er die Korrespondentin, ob es einen Unterschied beim Mitgefühl aus dem deutschsprachigen Ausland aufgrund der deutschen Herkunft des Papstes gebe – und erntet ungläubige Blicke.

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Am Ostersonntag hält Erzbischof Giuseppe Molinari gleich zwei Messen in l’Aquila und bietet damit gleich zwei Gelegenheiten, dramatische Bilder einzufangen. Eine wird mitten in der Stadt im Campo delle Armi, inmitten einer der größten nun errichteten Zeltstädte zelebriert. Die andere am Ort des Begräbnisses, der Schule der Finanzpolizei, bei der auch die Politprominenz anwesend sein wird. Hier im Camp füllt sich die Zeltkirche sehr langsam mit all jenen Menschen, die nicht zur Promi-Messe können oder wollen: alte Menschen, Familien, Kinder.

Zwar eignen sich weinende Frauen gut für die Abendnachrichten, dafür entsteht aber ein seltsam einseitiges Bild der tendopoli, der Zeltstadt, ohne Jugendliche und kaum Männer. Dabei wohnen sie jetzt alle hier, in den Behausungen mit blauen Stoffwänden ohne Strom, ohne Licht, ohne Wärme. Und doch hat bereits eine gewisse Routine Einzug gehalten. Zwischen den Übertragungswagen von RAI und Sky, neben Containern des Ziwilschutzes steht ein kleiner mobiler Schalter der Post samt Bancomat. Manche haben ihre Haustiere retten können, ein Kanarienvogel zwitschert leise aus einem der Zelte. Wenige Schritte weiter hat jemand bereits sein neues zuhause dekoriert.

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Doch mit dem Ende der Osterfeierlichkeiten und der scheinbaren Normalisierung des Alltags schwindet auch schon das mediale Interesse an dem Beben und seinen Folgen. Die dramatischsten Bilder sind verbraucht, der Papst wir auch nicht so schnell kommen – so rasch sich das Mediengewitter zusammengebraut hat, verzieht es sich auch wieder in andere Teile der Welt.

Vor fast genau einem Monat erzählte der kleine Matteo seine Geschichte, für die wir nur wenige Sekunden Zeit hatten. Dabei wäre noch zu erzählen, dass er gar nicht zu der Familie gehörte, mit der wir ihn im Bericht zeigten. Oder dass die Wunde an seinem Bein nicht von dem Erdbeben rührte, das er unversehrt überstand, sondern von dem Auto, das ihn vor dem Hotel angefahren hat.

Doch für all die kleinen Geschichten bleibt keine Zeit – und fehlt auch das Interesse. Schweinegrippe, Berlusconis Ehekrach, oder die Schützen in Bruneck: Schnell verstaubt unser Interesse an dem Beben und flüchtet weiter zum nächsten Ereignis. Um jedes Mal wieder gehört zu werden, bereitet die Medienwelt das Geschehen formal und teils auch inhaltlich appetitlich auf und verkündet es per Megaphon, sodass es schwierig wird, leise Stimmen wie die von Matteo zu hören. Dabei würde es sich oft lohnen, zuzuhören.

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Stol.it Relaunch: Es ist ein Frühchen

Posted by on 2. Mai 2009 in Arbeit, Web | 4 Kommentare

Bereits Anfang April war es im Athesia-Tagblatt Dolomiten für den aufmerksamen Leser ersichtlich, ein neues Logo für den Online-Auftritt Stol.it blitzte hie und da auf den Innenseiten durch. Die Screenshots vom 3. April, die ich misstrauischerweise erstellt habe, sind demnach geradezu ideal für einen ersten Vergleich.

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Aus alt mach neu: stol.it vom 3. April und vom 2. Mai 2009

The Good

Man muss es deutlich sagen, der neue Auftritt ist um Welten besser. Auf der anderen Seite: es konnte ja auch kaum schlechter werden, schließlich war es höchste Zeit für einen Relaunch.

Das Gesamtbild von 859 Pixeln (vormals 800px-Tabellen-Monster) ist nicht zuletzt dank des grauen Hintergrundes deutlich ruhiger und einfacher zu scannen. Viel optischer Krimskrams wurde wegradiert oder auf andere, uniformere Art umgesetzt.

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Das Logo wurde leicht größer und deutlich einfacher. Prägnant steht nun der landläufige Name weiß auf rot im Vordergrund, „Südtirol Online“ wurde in den unteren schwarzen Balken verdrängt. Es ist und bleibt auch mit aufgefrischtem Verlauf ein solides, aber doch fades Logo. Dafür ist es aber deutlich besser platziert als noch sein Vorgänger und fällt als Farbklecks mehr auf.

Das alte starre 3-Spalten-Layout mit dem üppigen unfreiwilligen Weißraum ist passé, der Inhalt rutscht ganz nach links an den Rand. Die Top-Stories oben werden flexibler und relativ großzügig bildlich in Szene gesetzt, Artikel sind wieder nach Ressort geordnet, allerdings mit deutlich verbessertem Textfluss.

Technisch basiert die meistgeklickte Seite Südtirols auf eZ Publish, einem Open Source CMS, das wohl auch die neuen Community-Features ermöglicht (siehe unten). Außerdem erhalten Besucher und Suchmaschinen nun eine leserliche und hübsche URL-Struktur.

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Für jede Menge eye candy hat ordentlich Javascript Einzug gehalten, aufbauend auf den Mootools u.a. accordions.js, carousel.js, lightbox.js, swfobject.js und noch einige mehr.

Voll sozial gibt sich Stol überdies mit seiner neu geschaffenen Community. Prominent neben den News im Menü positioniert will stol.it eine Südtiroler Community schaffen – und kommt damit eigentlich viel zu spät, die Eigenbeschreibung liest sich teils wie ein mäßiger facebook-Klon:

Die neue Community hat viele Vorzüge. Sie ermöglicht z.B. das Hochladen von Fotoalben; neben dem Chat gibt es User-Blogs und Fotoalben. Über den Menüpunkt „My Community“ hast du die Möglichkeit, dein Profil individuell zu gestalten, Freunde einzuladen und über deine Vorlieben, Wünsche und Hobbys einzutragen oder verschiedenen Gruppen beizutreten.

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Zudem ist die Community vom redaktionellen Bereich völlig ausgeklammert. Kommentarfunktion? Fehlanzeige.

Ob sich das Südtiroler Lokalisten Facebook Communitiy-Portal aber durchsetzen kann, ist offen, gerade da der globale Platzhirsch Facebook neben tausend anderen Vorteilen nicht zuletzt bei der usability die Nase vorne hat. Weiters könnte aufgrund (vermutlich) stark reduzierter Betreuungsressourcen ordentlich Schwachfug à la Vermächtnis einziehen – Stichwort Stol-Forum von anno dazumal.

The Bad

Insgesamt wirkt der Auftritt noch etwas unfertig, optisch wie inhaltlich. Verweise sind bunt gemischt formatiert, mal mit, mal ohne Feedback beim mouseOver. Auf Inhaltsseite reißen leere Nachrichten-Kategorien, siehe Wirtschaft, Löcher ins Gesamtbild.

Hilfe-, Kontakt-, Impressum- und andere Verweise leiten per „#“ auf jeder Seite zielsicher nach Nirgendwo. Das Forum ist nicht verfügbar, das ePaper-Angebot meldet auch nur Lizenz-Fehler und auf zahlreichen Unterseiten blitzt noch das alte Erscheinungsbild durch.

Neben mittelprächtig komprimierten Bildern wirken sich auch zu wenig optimiertes Javascript und Markup deftig auf das Gewicht der Seite aus. Hier gibt es noch deutlichen Aufholbedarf, in dieser Form dürfte Stol derzeit im mobilen Alltag nahezu unbrauchbar sein.

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Kein Wunder also, dass am ersten Mai, dem Tag des Neustarts sowie auch heute, am Tag danach die Seite immer wieder mal offline war.

The Ugly

Das größte Problem des neuen Auftritts ist das völlige Fehlen der alten Seite. Klingt blöd, ist es auch. Denn sämtliche Verweise von früher führen jetzt ins Stol-Nirvana, egal ob Artikel, Übersichten oder Foren, der alte Auftritt sorgt posthum für Fehler – ein sauber zugängliches Archiv sieht anders aus.

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Mein persönlicher „Autsch“-Favorit ist übrigens das fehlende eigene Favicon, meist ist noch das CMS-Icon (rechts) in Gebrauch. Das ursprüngliche Favicon findet sich lediglich auf manchen versteckten Unterseiten im alten Gewand.

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Auch an der Validitätsfront wird noch gekämpft, allerdings wird valides Markup wohl angesichts anderer, schon angesprochener dringender Brandherde in den Hintergrund rücken.

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Fazit

Südtirols Nachrichtenportal, nun großmundig „Südtirols beste Seiten“ genannt, liegt im Brutkasten. Die Eltern Athesia und Holzweg müssen sich nun darum kümmern, dass das Frühchen zum Kleinkind wird und im Anschluss seine Kinderkrankheiten überwindet.

Dann steht dem optischen spiegel.de Abkömmling Athesia-Sprössling der Südtiroler Nachrichtenolymp aus Mangel an echten Alternativen weit offen.

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