Posted by on 29. Jun 2007 in Alltag |

Minderheit oder nicht? Abgesehen davon, dass, siehe Titel, die Diskussion sich eigentlich um *Integration* dreht, ist der Minderheitenbegriff natürlich dehnbar. In Südtirol sind die Südtiroler die Majorität, gut ausgestattet nicht zuletzt mit dem Paket. In Italien sind sie eine „minoranza austriaca“ und in der Welt schlechthin nur ein Furz in der Geschichte, aber lassen wir das.

Die Angst vor Zuwanderung in Südtirol und der Vergleich mit Berlin(-Kreuzberg) scheinen mir aus der Luft gegriffen. Weder ist Südtirol eine typische Emigrantengegend, und die speziellen Fachkräfte für Obstbau und Gastgewerbe werden sowieso nur Saisonbedingt ins Land gekarrt.
Eine Entwicklung wie in Berlin? Hier die Anzahl der Asylbewerber zwsichen 1993 und 2006.

^*Stichtag 31.10.2006^

Noch etwas: Nirgendwo steht geschrieben, dass durch die Eröffnung einer Moschee (einer Art Kirche und nicht etwa eine politische Hochburg!) Weihnachten abgeschafft wird. Die Paranoia um die Auslöschung des Nikolaus klingt schrill wie die „Selbstverbrennung eines Erfurter Pfarrers“:http://www.zeit.de/2006/46/Pfarrer-Erfurt der kaum in seinem Leben einem Moslem je begegnet ist.

Punktum. Integration.

Wenn du sagst, Südtiroler seien, auf ihr Gebiet bezogen keine _Minderheit_ dann hat die Mehrheit, also die Südtiroler die Aufgabe, Integrationswilligen Hilfe zur Integration anzubieten. Nein, damit ist nicht die Abschaffung der eigenen Kultur gemeint, wie immer wieder falsch verstanden wird. Aber wo sind sie denn, die zahlreichen Integrationskurse? Wo sind die Initiativen? Es ist nun mal viel leichter zu behaupten, es gäbe nur oder meist nur IntegrationsUNwillige und die sind ja gefälligst abzuschieben.

*Aber:*

Integration ist eine dauerhafte politische und gesellschaftliche Aufgabe, die alle im Land lebenden Menschen betrifft. Integrationsförderung soll den Zuwanderern eine gleichberechtigte Teilhabe am wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Leben ermöglichen und für Toleranz, Akzeptanz und wechselseitigen Respekt zwischen den Bevölkerungsgruppen werben.
Das Aufnahmeland muss Integrationsangebote bereitstellen, und die Zuwanderer sind berechtigt und angehalten, sie wahrzunehmen. Die Bereitschaft zum Erwerb deutscher Sprachkenntnisse sowie die Anerkennung des Grundgesetzes, seiner Werte und unserer Rechtsordnung sind notwendige Bedingungen für die Integration. Die Zuwanderer sind keine homogene Gruppe. Viele haben längst einen sozialen Aufstieg hinter sich, sind gut ausgebildet und haben ihren Platz in dieser Gesellschaft gefunden. Die Integrationsmaßnahmen müssen daher auf Menschen mit geringeren Partizipationschancen zugeschnitten werden, wie ausländische Kinder und Jugendliche, Frauen und Erwerbslose.[1]

Mit den Mazedoniern muss ich dich leider enttäuschen. Wenn dann wären es sicher Albaner auf meiner Couch.[2]

fn1. Zuwanderung gestalten. Integration fördern. Bericht der Unabhängigen Kommission „Zuwanderung“. „Link“:http://www.bmi.bund.de/Internet/Content/Common/Anlagen/Broschueren/2001/Zuwanderung__gestalten__-__Integration__Id__7647__de,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/Zuwanderung_gestalten_-_Integration_Id_7647_de.pdf

fn2. astat info Nr. 22 (Mai 2007), Seite 8. Zu finden auf der Astat-Seite der Provinz.