Posted by on 28. Jun 2007 in Alltag | 3 Kommentare

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Lieber Michael,

um das Wikipedia-Debakel ein für alle Mal zu beenden hier also die rechtmäßig Zitierte Definition der Integration nach Speck: Soziale Integration stellt nicht die Anpassung von A in die Lebenszusammenhänge von B dar,

„sondern einen Wechselwirkungsprozeß [sic], bei dem sich beide Seiten aufeinander zu verändern, so daß [sic] gegenseitig adäquate Beziehungen und Verbindlichkeiten, kurzum mehr Gemeinsamkeit und Zugehörigkeit entstehen.[1]“

Dies ist keine absolute Definition (das kann und will die Soziologie auch gar nicht), wie sie etwa Naturwissenschaften zu bieten in der Lage ist. Dennoch ist sie nicht einfach als ??(subjektive) Auffassung einiger Wissenschaftler?? zu werten und auch eine Ableitung einer Definition aus der Mathematik halte ich für abwegig; so facettenreich die Welt der Mathematik auch sein mag, Menschen und ihre Beziehungen lassen sich mit ihren Werkzeugen wohl nur schwer beschreiben.

Nun denn, ich glaube, mit deinen beiden ersten Punkten übereinzustimmen, wenn mir auch ??Offenheit?? als Begriff respektive gesellschaftliches Prinzip doch ein wenig zu vage scheint. Es wurmt mich aber, dass du dich auf die Unterschiede in der (geographischen) Herkunft versteifst, aber mein Hauptaugenmerk außer acht lässt: es handelt sich doch sowohl bei Südtirolern als auch ??Zuwanderern?? um a) Menschen und b) eine Minderheit. Und in einer funktionierenden Demokratie *müssen* Minderheiten, im Sinne der Meinungsfreiheit, der Gleichberechtigung, etc geschützt werden. Nichts anderes fordert Südtirol seit seiner _Konvertierung_ zur Minderheit.

Hierauf hätte ich gerne von *dir* eine plausible Ausführung, wie die Südtiroler Minderheit in einem eventuellen zukünftigen Falle selber Minderheitenschutz einfordern soll, wenn es selber noch kleineren Minderheiten statt Schutz zu bieten Forderungen aufbürdet.

Um Missverständnisse zu vermeiden: es geht nicht um eine Friede-Freude-Eierkuchen-Lösung im hippen Multi-kulti Stil. Aber zwischen *Südtirol zuerst* und einer aktiven Inegrationspolitik besteht doch ein großer Unterschied. Gerade, weil die Gemeinschaft als Majorität den Integrationswilligen die Integration selbst erleichtern muss, um ein Zustandekommen zu ermöglichen:

Es wird aber eine gesellschaftliche Verpflichtung anerkannt, die für die Verwirklichung sozialer Integration grundlegend erforderlichen Voraussetzungen und äußeren Bedingungen zu schaffen.[2]“

Auf deine saloppe Formulierung zu den Mazedoniern auf meiner Couch werde ich in einem späteren Eintrag zurückkommen.

Um aber deinen interauricularen Apparat (vulgo _das Ding zwischen den Ohren_) ein wenig zu hätscheln, biete ich folgende Definitionen von Gemeinschaft und Gesellschaft an, die ich hier gepostet habe.

Viel Spaß damit.

In der Hoffnung auf eine anregende Antwort,
David

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fn1. Speck, Otto: System Heilpädagogik. Eine ökologisch reflexive Grundlegung. 4. Aufl. München 1998 S. 394

fn2. ebd., S. 399