Posted by on 28. Jul 2005 in Uncategorized | 3 Kommentare

Man glaubt (!) es kaum. Nach Lourdes, nach unzähligen heiligen Grotten, nach dem amerikanischen God-TV ist es nun auch in Siebeneich soweit. Weißenstein? Schnee von gestern, die Madonna ist umgezogen, ins wunderbare Seven-oak.

*Die Madonna in Siebeneich*
ist der Titel eines Sonderdrucks von sagenhaften 44 Seiten, der mir gerade untergekommen ist. In Zusammenarbeit mit dem Medjugorje Komitee von Bozen (Postfach 272, Fax 0471 289310) hat irgendwer, nur Toni genannt, ein Heftchen herausgebracht „zum Zweck des Zeugnisses und Glaubens“.

Die ganze -Scheiße- Chose (@ingeneer: sprich Schose) beginnt demnach schon im September 76, wo der Erzähler vom Papsttod träumt, also vom Attentat und ihm seither Stimmen im Kopf Tipps geben.

Was eigentlich ein Fall für die Klappse wäre läuft – so scheint es wenigstens – noch immer frei herum und verbreitet das auch noch. Wie oft in solchen Fällen sucht der Betroffene um Hilfe, allerdings stößt er nicht überall auf Glauben, etwa im Institut des Hl. Nikolaus in Meran.

_Ich setzte voraus, daß nicht alle Schwestern diese Vorfälle glauben würden, und so war es (in der Tat hatten mich die „Stimmen“ gewarnt)._

Alles klar?
Doch es geht noch weiter.

Während also von Toni die Rede ist, und von Sehern, und von Briefen an den Papst, und ganz tollen Visionen, kommt das Beste doch eher zum Schluss. Da wird der _Alto Adige_ zitiert, der von der Wunderheilung des SVP-Exponenten Franz Demetz erzählt – von Rückenschmerzen wohlgemerkt.

„Ja, es ist alles wahr. Toni, der Vertreter von Tiefkühlprodukten (ich muss da immer an meinen Eismann denken, Anm.) hat mich nicht nur einmal, sondern zweimal geheilt.“

_Er, die Hauptperson der Heilungen, hat zwanzig Jahre lang geschwiegen, denn die Priester hatten ihm befohlen zu schweigen. Es sein viel zu riskant, der Welt zu erzählen, zehn Tage mit Jesus gesprochen zu haben._
(…)
_Er hat es versucht, und man stempelte ihn zum Narren. Unvermeidbar, und er weiß es: Er kann Prof. Basaglia, dem Vater des Gesetzes 180, danken, daß die Narrenhäuser abgeschafft wurden und ihm eine Internierung erspart blieb._

*Wir anderen bedauern das allerding zutiefst.*

Wer Herrn Toni, den Seher aus Bozen, den Vertreter von Tiefkühlprodukten, der jetzt um die 67 sein dürfte, treffen will, der kann dies laut Büchlein sogar täglich: von zwei bis drei Uhr nachmittags, im Wäldchen oben an der Romediusstraße in Siebeneich.

*Dann gute Nacht.*